Ein Sandkorn in der Wüste der Welt

11.02.2019 07:00 von Edith Malzer



Ein Sandkorn in der Wüste der Welt

Die Arbeit, die wir hier tun ist so klein wie ein Sandkorn. Und es ist schon so schwierig, dieses Körnchen am Leben zu erhalten.

Aber wie in der unendlichen Geschichte zum Schluss aus dem einen Sandkorn das Neue entstehen kann, geben uns die Begegnungen mit den Menschen diese Kraft zurück.

Diese Gedanken kommen mir, wenn ich über unseren Partner New Sadle berichte.

Das Bestreben war und ist, schwerstleprabehinderte und gesunde Menschen miteinander arbeiten zu lassen. Dies ist mit Erfolg in mehr als 25 Jahre gelungen. Ca. die Hälfte der Mitarbeiter bei New Sadle sind Menschen mit Behinderungen, die mit gesunden Menschen zusammenarbeiten und deren Kinder zusammen die Schule besuchen und gemeinsam lernen.

Etwas ist sicher nicht außer Acht zu lassen: Durch die vielen Besucher im Projekt New Sadle,“Baikhuntapuri Nagiri“, was so viel heißt wie „Himmlische Stadt“, haben die Menschen dort, ob behindert oder nicht, einen einmaligen Zugang zur Welt. Jeder auch noch so einfache MitarbeiterInn wird eingebunden, wenn wir neue Produkte besprechen.

Besuchergruppen, vermehrt jetzt auch aus Deutschland, durch Ganesh Nepalreisen, erleben hautnah, was es bedeutet, Fairen Handel zu machen und mit Leben zu füllen.

Nach zwanzig Jahren Arbeit mit Nepal hatten wir gestern wieder eine Begegnung, die uns sehr nahe gegangen ist.

Wir besuchten Bashu Dev Yadav in seiner Papierwerkstatt. Dort waren wir letztes Jahr im März auch schon (wir berichteten in unserem Infoflyer 20 Jahre KFT). Dieses Jahr hat sich einiges verändert. Es ist viel gebaut worden. Nebenan konnten wir einen Workshop besichtigen, in dem Nudeln hergestellt werden. Doch die wichtigsten Veränderungen für uns sind, dass weitere Wellblechhäuser entstanden sind, in denen Mitarbeiter der Papierwerkstatt leben.

Während der Besichtigung und den Nachfragen zu den Familien und Häusern, wurde uns ein 9jähriger Junge vorgestellt. Sein Name ist Bishal Khadka. Er ist an Lepra erkrankt und leidet an weiteren Krankheiten, wie Herzproblemen, Bluthochdruck und einer Augenerkrankung. Er war im Anandaban Krankenhaus, einem Spezialkrankenhaus für Leprafälle, einmal 9 Monate und einmal 8 Monate. Seine Mutter war bei ihm. Sein Vater hat sich um die jüngere Schwester gekümmert.  Da er so lange im Krankenhaus war, besucht Bishal erst die zweite Klasse der Lovely Angels School.

Die Traurigkeit, die dieser Junge ausstrahlte, hat uns sehr erschüttert. Ich habe ihm versprochen, dass wir Paten für ihn finden. Die Familie hat zwar ein ganz gutes Einkommen, muss aber im Moment etwa 8.000 bis 9.000 Nepalische Rupies aufbringen. Die Medikamente für die Lepraheilung zahlt die WFTO, die Kosten der Medikamente für die weiteren Erkrankungen muss zur Zeit die Familie selbst tragen.

Vater und Mutter, beide leprabehindert, verdienen zusammen ca. 30.000 NRS, wovon dann allerdings 8.000 NRS für die Medikamente abgehen und dann reicht es kaum zum Leben!

Zusammengefasst was dies alles für diesen Jungen und seine Eltern bedeutet: Die Eltern waren leprainfiziert, sind geheilt, aber die Erinnerung und das Stigma bleiben und dann erkrankt der Sohn.

 

Wir recherchieren gerade hier vor Ort weiter. Die Papierwerkstätten, werden mit Hilfe des Nepra e.V. nicht nur baulich erweitert, sondern es werden dort noch mehr Mitarbeiter mit Leprabehinderungen leben und arbeiten.

 



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